Lars Zumbansen
Unterrichtspraktische Prüfung [434 KB]
Jahrgangsstufe 13 Leistungskurs
Das Liebesopfer -Vom „hohen Amt“ zum emanzipatorischen Akt: Die Rolle der Frau im Epochenumbruch am Beispiel von Georg Büchners Lucile (Dantons Tod) in einer szenischen Kontrastierung mit Friedrich Schillers Elisabeth (Don Karlos).
Die Schülerinnen und Schüler sollen unter Anwendung eines szenisch-produktiven Analyseverfahrens das abweichende Rollenkonzept Luciles und Elisabeths herausstellen, mit Hilfe ausgewählter Textzitate die unterschiedliche Handlungsautonomie der beiden Frauenfiguren erschließen und in ihren Ursachen interpretieren sowie auf der Grundlage des Figurenkontrastes Luciles Verhalten in seiner Repräsentativität für das Büchnersche Literatur- und Kunstverständnis beurteilen.
Im Unterschied zu gängigen Top-Down-Verfahren literaturgeschichtlicher Zuordnungen sollen die elf Schülerinnen und der eine Schüler des Deutschleistungskurses in einem Bottom-Up-Prozess epochenspezifische Kontrastpositionen direkt aus dem szenisch realisierten Figurenverhaltenheraus entwickeln. Der Zugang verheißt dabei zum einen eine mehrdimensionale textuellbildliche Kodierung epochaler Schwellendimensionen, zum anderen eine differenzierende, schülerorientierte Modellierung der Thematik auf einer den Kursteilnehmern vertrauten Mikroebene des Dramas. Was der Lehrplan in diesem Zusammenhang als spezifisches Kennzeichen von Epochenumbrüchen generell ausweist, soll innerhalb der Stunde eine praktische Konkretisierung erfahren, nämlich die „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“.
Umgesetzt wird diese Vorgabe dabei durch eine Szenencollage der Frauenfiguren Lucile und Elisabeth, ein Vorhaben, das in anderer Konstellation und Ausformung ja bereits in den Leistungskursaufgaben des diesjährigen Abiturjahrganges vorgebildet wurde und insofern eine legitime Variante eines kumulativ angelegten Lernprozesses darstellt, der systematisch am Vorwissen der SuS anknüpft.